Atmung & Brustkorb

Nasenatmung bei Trichterbrust

Das Thema Nasenatmung wird bei Trichterbrust aus meiner Sicht häufig unterschätzt. Viele Betroffene konzentrieren sich verständlicherweise vor allem auf Muskelaufbau, Haltung oder das äußere Erscheinungsbild des Brustkorbs. Dabei wird oft vergessen, dass Atmung, Spannung, Körperhaltung und Körpergefühl eng miteinander zusammenhängen. Gerade die Art, wie wir täglich atmen, kann langfristig einen großen Einfluss darauf haben, wie sich unser Brustkorb bewegt, wie viel Spannung im Oberkörper entsteht und wie frei oder eingeschränkt sich der eigene Körper anfühlt. Besonders deshalb halte ich die Nasenatmung für ein wichtiges Thema bei Trichterbrust.

Warum Nasenatmung so wichtig ist

Die Nase übernimmt beim Atmen deutlich mehr Aufgaben, als vielen bewusst ist. Die Luft wird:

  • gefiltert
  • angefeuchtet
  • angewärmt

Außerdem verläuft die Nasenatmung häufig ruhiger und kontrollierter als eine dauerhafte Mundatmung. Viele Menschen mit Trichterbrust entwickeln über Jahre unbewusst eher flache und hektische Atemmuster:

  • hochgezogene Schultern
  • viel Spannung im Nacken
  • wenig Bewegung im Brustkorb
  • schnelles Ein- und Ausatmen
  • dauerhaft geöffneter Mund

Dadurch entsteht häufig zusätzliche Spannung im gesamten Oberkörper. Eine bewusstere Nasenatmung kann dabei helfen, wieder mehr Ruhe und Kontrolle in die eigene Atmung zu bringen und den Brustkorb langfristig freier beweglich zu halten. Natürlich bedeutet das nicht, dass Mundatmung grundsätzlich „falsch“ ist. Gerade beim Sport oder unter hoher Belastung ist sie vollkommen normal. Im Alltag kann eine überwiegende Nasenatmung jedoch viele Vorteile mit sich bringen.

Der Zusammenhang zwischen Atmung und Körperhaltung

Was viele unterschätzen: Auch die Art, wie wir atmen, kann langfristig Einfluss auf unsere Körperhaltung haben. Bei dauerhafter Mundatmung entstehen häufig ungünstige Spannungsmuster:

  • der Kopf schiebt sich weiter nach vorne
  • die Schultern ziehen sich hoch
  • der Brustkorb wirkt starrer
  • die Haltung wird insgesamt angespannter

Gerade bei Trichterbrust kann das problematisch sein, da viele Betroffene ohnehin bereits zu einer eher eingefallenen oder angespannten Haltung neigen.

Ein einfaches Beispiel macht das oft greifbarer:

Das Nasen- und Nebenhöhlensystem ist ungefähr so groß wie eine Faust.

Trotzdem wird der Einfluss der Nasenatmung auf Spannung, Haltung und den gesamten Oberkörper häufig unterschätzt.

Liegt die Zunge dauerhaft nicht richtig am Gaumen an und der Mund steht überwiegend offen, können sich langfristig ungünstige Spannungsmuster im Mund-, Kiefer-, Hals- und Schulterbereich entwickeln.

Deshalb spielt die Zungenposition bei der Atmung häufig eine größere Rolle, als viele zunächst denken.

Die Rolle der Zunge wird häufig unterschätzt

Im Idealfall liegt die Zunge entspannt am Gaumen an und unterstützt dadurch eine ruhigere Nasenatmung sowie eine stabilere Haltung im Mund- und Kieferbereich.

Zungenhaltung bei der Atmung mit Trichterbrust

Viele Menschen haben sich jedoch über Jahre an eine offene Mundhaltung oder eine ungünstige Zungenposition gewöhnt, wodurch die Mundatmung zusätzlich begünstigt werden kann.

Gerade deshalb kann es sinnvoll sein, nicht nur die Atmung selbst, sondern auch die Wahrnehmung der eigenen Zungenposition zu trainieren.

Übung: Einseitige Nasenatmung

Diese Übung dient dazu, die Nasenatmung bewusster wahrzunehmen und die Atemwege der Nase etwas freier werden zu lassen.

Dazu wird zunächst mit dem Daumen der rechten Hand das rechte Nasenloch verschlossen.

Nun wird ruhig durch das linke Nasenloch eingeatmet.

Anschließend wird mit dem Zeigefinger derselben Hand das linke Nasenloch verschlossen und der Daumen vom rechten Nasenloch gelöst, sodass durch das rechte Nasenloch ausgeatmet werden kann.

Beim nächsten Atemzug wird dann wieder durch das linke Nasenloch eingeatmet und das rechte Nasenloch ausgeatmet.

Dieser Vorgang wird etwa fünf Mal wiederholt und dann die Seite gewechselt.

Nach der Übung fühlen sich die Atemwege häufig bereits etwas freier und offener an. Außerdem fällt vielen Menschen dabei erstmals auf, dass eines der beiden Nasenlöcher oft deutlich „freier“ arbeitet als das andere.

Die Übung kann problemlos täglich durchgeführt werden — besonders dann, wenn sich die Nasenatmung eingeschränkt oder die Atmung insgesamt eher hektisch anfühlt.

Übung für die richtige Zungenposition

Eine Übung, um die Kraft und Mobilität der Zunge zu verbessern, ist folgende:

Die gesamte Zunge wird fest an den Gaumen angesaugt.

Anschließend wird der Unterkiefer langsam gesenkt, wodurch sich der Mund weit öffnet — allerdings nur so weit, wie die Zunge weiterhin vollständig am Gaumen bleiben kann.

Danach wird der Unterkiefer wieder angehoben und der Mund geschlossen.

Dieser Vorgang kann etwa zehn Mal wiederholt und mehrmals täglich durchgeführt werden.

Die Übung dient vor allem dazu, die Wahrnehmung und Kontrolle der Zungenposition zu verbessern und die Nasenatmung langfristig bewusster zu unterstützen.

Fazit

Nasenatmung allein wird eine Trichterbrust natürlich nicht „heilen“.

Trotzdem halte ich sie für einen wichtigen Bestandteil eines langfristig sinnvollen Umgangs mit dem eigenen Körper.

Gerade im Zusammenspiel mit Haltung, Mobilität und Training kann eine bewusstere Atmung dabei helfen, Spannung zu reduzieren, den Brustkorb zu befreien und ein besseres Körpergefühl zu entwickeln.

Oft sind es genau solche grundlegenden Dinge, die im Alltag über Jahre verloren gehen — obwohl sie langfristig einen großen Unterschied machen können.

Für persönliche Hilfe und eine tiefere Einführung in dieses so wichtige Thema kannst du dich jederzeit bei mir per Kontakt melden. Ich freue mich auf dich!

Nächster Schritt

Bringe die Atmung direkt in dein Training – mit passenden Übungen für Brustkorb, Zwerchfell und Haltung.